Otto Heinemann Preis

zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Wir suchen Vorbilder für eine pflegefreundliche Arbeitswelt – bundesweit!

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird in immer mehr Unternehmen zu einem wichtigen Thema. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und des absehbaren Fachkräftemangels rücken dabei auch Erwerbstätige, die gleichzeitig Familienangehörige pflegen müssen, zunehmend in den Fokus der Arbeitgeber. Denn neben der Kindererziehung stellt insbesondere die Pflege eine Herausforderung für alle Beteiligten dar, da der Eintritt eines Pflegefalls vielfach nicht planbar ist. Gerade im Hinblick auf die zunehmende Belastung durch innerfamiliäre Pflegefälle bricht die klassische Trennung von Arbeit und Familie, die in Deutschland lange geherrscht hat, langsam auf. Für Unternehmen gilt es also, Familienförderung als Faktor im Wettbewerb um High Potential zu nutzen und als effektive Maßnahme zur Mitarbeiterbindung zu begreifen. Vor diesem Hintergrund gilt es insbesondere darauf hinzuwirken, auch für kleine und mittelständische Unternehmen Möglichkeiten aufzuzeigen um im Wettbewerb um motivierte Mitarbeiter nicht zurückzustehen. Gesucht wird daher das innovativste Unternehmen, das in herausragender Weise für seine Beschäftigten optimale Bedingungen zur Vereinbarkeit von Pflege und Arbeit schafft, mit Ideenreichtum und unternehmerischer Weitsicht auf das Wohl seiner Angestellten zielt – wohlwissend, dass seelische und körperliche Ausgeglichenheit wesentlich der Arbeitseffektivität und somit der Unternehmensstabilität dienen.

Wir freuen uns, dass Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, die Schirmherrschaft für den Otto Heinemann Preis 2018 übernommen hat.

Die Deadline für die Einreichung von Bewerbungen für den Otto Heinemann Preis 2018 ist abgelaufen.

Wenn Sie Interesse haben, sich für den Otto Heinemann Preis 2019 zu bewerben, schreiben Sie uns eine kurze Nachricht an marketing@spectrumk.de. Wir informieren Sie dann automatisch, sobald die neue Bewerbungsphase startet.

Falls Sie weitere Fragen haben, können Sie uns auch gern kontaktieren: spectrumK GmbH, Abteilung Unternehmenskommunikation E-Mail: marketing@spectrumk.de Tel.: 030-21 23 36 110

Eine fachkundige Jury ermittelt die besten Projekte 2018

Die Jury besteht aus folgenden Personen (vertreten durch eine Person der jeweiligen Institution):

Yves Rawiel

Yves Rawiel

Geschäftsführer, spectrumK GmbH

Jürgen Hohnl

Jürgen Hohnl

Geschäftsführer, IKK e. V.

Franz Knieps

Franz Knieps

Vorstand, BKK Dachverband e. V.

Dr. Achim Dercks

Dr. Achim Dercks

stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) e.V.

Oliver Schmitz

Oliver Schmitz

Geschäftsführer, berufundfamilie Service GmbH

Laurenz Meyer

Laurenz Meyer

Politikberater

Frank Hauser

Frank Hauser

Geschäftsführender Gesellschafter, Great Place to Work® Deutschland

Volker Enkerts

Volker Enkerts

Vorsitzender des Vorstandes, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV)

Petra Schott-Pfeifer

Petra Schott-Pfeifer

Vizepräsidentin, Amtsgericht Offenbach

Gundula Roßbach

Gundula Roßbach

Präsidentin, Deutsche Rentenversicherung Bund

Anke Feldmann

Anke Feldmann

Lead HR Family&Career, SAP SE

Holger Schwannecke

Holger Schwannecke

Generalsekretär, Zentralverband des Deutschen Handwerks

Alexander Gunkel

Alexander Gunkel

Mitglied der Hauptgeschäftsführung, BDA

MD Harald Kuhne

MD Harald Kuhne

Leiter der Zentralabteilung, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Preisträger 2017

Auf der feierlichen Abendveranstaltung der 4. Berliner Pflegekonferenz wurde der Otto Heinemann Preis vergeben. Er richtet sich an Unternehmen, die sich für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege einsetzen. Er wird jährlich von spectrumK in Kooperation mit den Spitzenverbänden der Innungskrankenkassen und der Betriebskrankenkassen ausgelobt. Die Preisträger in diesem Jahr sind die Handwerkskammer Karlsruhe, die SHG-Kliniken Völklingen und das Unternehmen Globus (SB-Warenhäuser und SB-Warenhaus-Holding).
In seiner Laudatio zum Otto Heinemann Preis hob der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, hervor: „Viele Mitarbeiter müssen nicht nur die Betreuung ihrer Kinder mit dem Beruf vereinbaren, sondern auch den Spagat zwischen der Pflege von Angehörigen und dem Beruf hinbekommen. Um Mitarbeiter dabei zu unterstützen, ist Ideenreichtum und unternehmerische Weitsicht gefragt.“ Die Handwerkskammer Karlsruhe erhielt den Preis in der Kategorie bis 1000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. In der Kategorie von 1001 bis 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ging die Auszeichnung an die SHG-Kliniken Völklingen und in der Kategorie ab 5001 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde das Einzelhandelsunternehmen Globus (SB-Warenhäuser und SB-Warenhaus-Holding) mit dem Otto Heinemann Preis geehrt. Die Jury, die sich aus fachkundigen Experten zusammensetzt, befand bei ihrer Auswahl, dass die Preisträger dem Gedanken der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege vorbildlich und in herausragender Weise entsprechen. Sie demonstrieren damit auf beeindruckende Art, wie Unternehmen mit innovativen Methoden Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unterstützen und gleichzeitig Fachkräfte binden können. Denn Angestellte, die Unterstützung in belastenden Lebensabschnitten durch ihre Arbeitgeber erfahren, sind zufriedene, effektive und treue Mitarbeiter.

Handwerkskammer Karlsruhe Preisträger für Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeiter(inne)n

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Die Handwerkskammer Karlsruhe ist eine in der Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts organisierte Selbstverwaltungseinrichtung des Handwerks mit Hauptsitz in Karlsruhe. Zum Kammerbezirk mit insgesamt rund 19.000 Mitgliedsbetrieben gehören die Stadt und der Landkreis Karlsruhe, die Stadt Pforzheim und der Enzkreis, der Landkreis Calw sowie die Stadt Baden-Baden und der Landkreis Rastatt. Die Bildungsakademie der Handwerkskammer Karlsruhe, eine der größten Bildungseinrichtungen in Baden, besuchen im Rahmen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung jährlich mehr als 5.000 Lehrlinge. Zu den Aufgaben der derzeit 135 Mitarbeiter gehören die Führung der Handwerks- und Lehrlingsrolle, das Ausbildungs- und Prüfungswesen, umfassende technische, betriebswirtschaftliche und juristische Beratungen sowie die Interessenvertretung der Mitgliedsbetriebe. Dass Unterstützungsbedarf im Bereich Pflege besteht und dieser auch zunehmen wird, zeigte eine Mitarbeiterumfrage bereits im Jahr 2014. „Wer einen Angehörigen pflegt, verdient Anerkennung und Unterstützung. Dies möchten wir auch als Arbeitgeber, soweit möglich, leisten“, sagt Annette Backes, Leiterin Geschäftsbereich Zentrale Dienste. Niemand solle sich damit alleine fühlen. „Nicht zuletzt soll natürlich die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter gestärkt werden beziehungsweise erhalten bleiben – und wir wollen unsere Attraktivität als Arbeitgeber steigern.“

Das schafft die Handwerkskammer Karlsruhe mit flexiblen, auf die individuelle Situation des betroffenen Mitarbeiters abgestimmten Angeboten sowie mit umfassenden Informationsmöglichkeiten im Betrieb. „Das Pflegethema wird in jedem Mitarbeitergespräch vom Vorgesetzten angesprochen, um möglichst zeitnah auf die Bedürfnisse eingehen zu können“, erklärt Backes. So sei beispielsweise auch kurzfristig das Arbeiten von Zuhause möglich. Mitarbeiter können zudem kostenlos an einem Intensivseminar zum Thema Pflege teilnehmen. „Der Umgang mit dem Thema Pflege ist wesentlich offener geworden. Auch die Kollegen von betroffenen Mitarbeitern wurden sensibilisiert“, berichtet Backes von ihren bisherigen Erfahrungen. Es helfe den Mitarbeitern sehr, mit der Thematik auf Verständnis zu treffen.

Als größte Herausforderung beim Thema Pflege und Beruf sieht sie „den Spagat zwischen unserem Anspruch, als Dienstleister für unsere Mitgliedsbetriebe präsent zu sein, und der Berücksichtigung der individuellen familiären Situationen einzelner Mitarbeiter.“ Dennoch sollen die bestehenden Angebote weiter ausgebaut werden, damit das Unternehmen sein Zertifikat „audit berufundfamilie“ aufrechterhalten kann. Den Otto Heinemann Preis empfindet Backes als „große Anerkennung unseres jahrelangen Engagements – und natürlich hat die Auszeichnung zudem eine Signalwirkung für unsere Mitgliedsbetriebe, die wir auch zu der Thematik Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Pflege beraten.“

www.hwk-karlsruhe.de

SHG-Kliniken Völklingen Preisträger für Unternehmen mit 1.001 bis zu 5.000 Mitarbeiter(inne)n

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Die SHG-Kliniken Völklingen sind ein hochspezialisiertes Krankenhaus mit der Schwerpunktversorgung HerzZentrum Saar, LungenZentrum Saar, GefäßZentrum, einem psychiatrischen Zentrum, einer Klinik für Urologie sowie der Nephrologie und Dialyse. Seit 2010 gibt es für die über 1.200 Mitarbeiter vielfältige Maßnahmen zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen. Hierfür wurde unter anderem ein „Internes Pflegenetzwerk“ eingerichtet. Mit diesem niederschwelligen, multiprofessionellen Netzwerk bestehend aus der Servicestelle „Familie & Beruf“, dem Familienhaus Sterntaler, der Personalabteilung, dem Sozialdienst, der Seelsorge, der Schwerbehindertenvertretung sowie der Psychoonkologin werden die in den Kliniken vorhandenen Kompetenzen für die Mitarbeiter transparent und verlässlich nutzbar gemacht. „Wir denken hierbei die frühe Phase der Betreuungs- und Unterstützungsverantwortung bereits mit. Und zwar nicht erst ab Rollstuhl oder Pflegebett“, erklärt Martina Koch von der Servicestelle „Familie & Beruf“.

Die Angebote sollen die Mitarbeiterzufriedenheit steigern. Sie orientieren sich an den Mitarbeitern und Patienten gleichermaßen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass auch Patienten vom Engagement der Kliniken für die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf profitieren. Denn zufriedene Mitarbeiter sind eine Voraussetzung für zufriedene Patienten“, sagt Koch. Besteht Unterstützungs- oder Betreuungsbedarf für Familienangehörige, können die Mitarbeiter entscheiden, ob sie die personalisierte Servicestelle „Familie & Beruf“ als innerbetrieblichen Pflegeguide zu internen oder externen Ansprechpartnern nutzen, oder ob sie sich direkt an einen der anderen Partner des Internen Pflegenetzwerks wenden. Diese bieten eine umfassende, individuelle Beratung an, welche die Mitarbeiter gerne wahrnehmen. „Das zeigen insbesondere die vielen positiven Rückmeldungen in der letzten Mitarbeiterbefragung“, berichtet Ramona Kiefer, Leiterin des Familienhauses.

Eine schwierige Aufgabe bleibe es, das Thema privater Betreuungs- oder Pflegeverantwortung aus dem Tabubereich herauszuholen und tatsächlich entlastende, bezahlbare Angebote zu entwickeln. „Auch die Sensibilisierung der Kollegen für die Bedarfe von Mitarbeitern mit Betreuungsverantwortung ist herausfordernd.“ Für ein gutes Gelingen sei es notwendig, am eigenen Standort herauszufinden, wer mit welchen Angeboten zur Unterstützung beitragen kann. Gleiches gelte für die Nutzung der gegebenenfalls bereits im eigenen Unternehmen vorhandenen Kompetenzen. „Die wirksame Vernetzung nach Innen und Außen ist somit einer der Erfolgsfaktoren“, reflektiert Koch. Für die Zukunft sei die weitere Etablierung der Familiendienste und des Seniorenbegleitdienstes geplant. Zudem sollen die während der Familienzeit – sei es aufgrund von Betreuungsverantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige – entwickelten Kompetenzen der Mitarbeiter auch in den Kliniken nutzbar gemacht werden. Den Otto Heinemann Preis versteht das Unternehmen auch als Beleg für den saarländischen Imageslogan „Großes entsteht immer im Kleinen“.

www.vk.shg-kliniken.de

Globus (SB-Warenhäuser und SB-Warenhaus-Holding) Preisträger für Unternehmen ab 5.001 Mitarbeiter(inne)n

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Das konzernunabhängige Familienunternehmen Globus betreibt in fünfter Generation 46 SB-Warenhäuser im Einzelhandel. Ein Teil der verkauften Ware wird im jeweiligen Haus vor Ort hergestellt, etwa in Fachmetzgereien und Bäckereien. Das 1828 gegründete Unternehmen beschäftigt aktuell 18.427 Mitarbeiter. Seit 2008 bietet es Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. „Das Thema ist uns sehr wichtig. Wir sehen dies nicht losgelöst, sondern betrachten es im Rahmen unseres Engagements zur lebensphasenorientierten Mitarbeiterpolitik – wir nennen es ’die Kontinuität der kleinen Schritte‘“, erklärt Petra Kannengießer, Bereichsleiterin Systeme in der Betriebsstätte Zell. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt, dies gilt sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Mitarbeiter. Wir sind ein Familienunternehmen mit langer Tradition, bei dem die Mitarbeiter schon immer als wichtig angesehen und mit Respekt und Wertschätzung behandelt wurden. Dies haben wir in unseren Globus-Werten festgeschrieben und dies wird von der Unternehmensleitung vorgelebt und eingefordert.“

Das Unternehmen bietet flexible, individuelle Tages-, Wochen- und Jahresarbeitszeiten sowie und familiengerechte Teilzeitmodelle an. Denn in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und privater Lebenssituation wünschen sich die Globus-Mitarbeiter vor allem den Freiraum, sich im Notfall selbst organisieren zu können. „Wir fordern von unseren Mitarbeitern Solidarität untereinander ein, sonst kann diese Selbstbestimmtheit nicht gelingen“, sagt Kannengießer. Geprägt durch das Alter der Beschäftigten – im Schnitt über 43 Jahre – sei das Thema Pflege von Angehörigen sehr präsent. Um Pflegeberatung mit allen Facetten professionell angehen zu können, kooperiert Globus mit WDS.care und nutzt dessen Betreuungs- und Pflegekonzept „Eldercare“, das unter anderem Vor-Ort-Sprechstunden, Pflegekurse und Beratung zur Sicherung des Pflegegeldes umfasst. „Unsere Mitarbeiter schätzen dieses neue Angebot sehr. Man kommt viel schneller zum Ziel, wenn man mit einem professionellen Partner zusammenarbeitet. Und der Faktor Zeit spielt eine große Rolle für die Betroffenen.“

Zwar gelte der Handel aufgrund der langen Öffnungszeiten als familienunfreundlich, doch biete er insbesondere Frauen mit Familienverantwortung „je nach Qualifikation, Neigung und Arbeitszeitmöglichkeiten vielschichtige Beschäftigungsvarianten“, so Kannengießer. Die Diversität der Arbeitszeitmodelle werde sich bei Globus künftig noch erhöhen. Hier komme den Personalleitern und Betriebsräten vor Ort eine Schlüsselrolle zu, da sie die Umsetzungsverantwortung im Betrieb übernehmen. „Unsere ausgeprägte Vertrauenskultur führt dazu, dass sich die meisten Mitarbeiter frühzeitig melden und offen über die persönlichen, finanziellen und auch psychischen Belastungen gesprochen werden kann.“ Denn oft gehe die Pflege über die Grenzen der Belastbarkeit hinaus. Die Nachfrage bei den Sprechstunden sei sehr hoch. Die Auszeichnung mit dem Otto Heinemann Preis sei eine Ehre, sagt Kannengießer. „Diese Anerkennung bestätigt uns in unserer Arbeit auf dem Gebiet Beruf und Pflege und spornt uns dazu an, diese weiter aktiv voranzutreiben.“

www.globus.de

 

Nominees 2017

Die Jury aus Experten hatte jetzt die Wahl unter den Bewerbern für den Otto Heinemann Preis 2017, um die Engagiertesten zu benennen. Die Auswahl fiel nicht leicht, denn uns erreichten verschiedene beeindruckende Bewerbungen. Ein Beweis dafür, dass es in Deutschland bereits einige Unternehmen gibt, die sich mit herausragendem Engagement für ihre Beschäftigten einsetzen, um damit wesentliche Voraussetzungen für eine Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu schaffen.

In den drei Kategorien wurden jeweils drei Unternehmen für die Auszeichnung nominiert. Bei den Organisationen mit bis zu 1.000 Mitarbeitern sind dies die Handwerkskammer Karlsruhe, das Oberlandesgericht Köln und die Frankfurter Rotkreuz-Kliniken. In der Kategorie mit bis zu 5.000 Mitarbeitern ziehen die SHG-Kliniken Völklingen, die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd und die ING-DiBA in die finale Auswahlrunde ein. Und aus den Bewerbern ab 5.001 Mitarbeitern wurden die Gesundheit Nord gGmbH Klinikverbund Bremen, die Vodafone GmbH und die Globus Holding ausgewählt.

Film ab!

Uta Ranke-Heinemann erinnert sich an ihren Großvater Otto Heinemann.

Preisträger 2016

Im November 2016 wurde im Rahmen der Berliner Pflegekonferenz zum zweiten Mal der Otto Heinemann Preis zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf an Unternehmen vergeben, die Besonderes auf diesem Gebiet leisten. Die Preisträger könnten unterschiedlicher nicht sein: ein großstädtischer Stadtreinigungsbetrieb, ein mittelständisches Unternehmen für Verbindungstechnik und ein hessisches Amtsgericht. Doch eines ist ihnen allen gemeinsam: der vorbildhafte Einsatz für die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

Wir haben noch einmal mit den drei Preisträgern über ihr Engagement gesprochen.

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Berliner Stadtreinigung (BSR) – Preisträgerin für Unternehmen ab 2001 Mitarbeitern/-innen

Die Berliner Stadtreinigung (BSR) gehört mit über 5000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern Berlins und ist europaweit als eines der wichtigsten kommunalen Unternehmen in der Abfallwirtschaft und Straßenreinigung bekannt. Bei ihrer Personalpolitik hat sie die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf schon seit einiger Zeit fest im Blick. Sie bietet Hilfe und Unterstützung weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus an, unabhängig davon, ob bei einem Mitarbeiter akuter Bedarf besteht oder es um vorbereitende Aufklärung geht.

Auf die Frage, wie die BSR zum Thema Pflege gekommen sei, hat Martin Urban, Vorstand für Personal, Soziales und technische Dienstleistungen, eine ebenso einfache wie logische Antwort: „Eigentlich war es umgekehrt: Das Thema Pflege kam zur BSR. Durch unsere besondere Unternehmensgeschichte haben wir es mit einem hohen Altersdurchschnitt zu tun. Folglich ist die Pflege von Angehörigen zunehmend ein Thema für unsere Beschäftigten.“

Flexible Arbeitszeiten, Austausch im Pflegezirkel, fester Ansprechpartner zum Thema Pflege und vor allem Wertschätzung und Respekt sieht Urban als die Grundlagen der Angebote. „Bei uns soll die Unternehmenskultur so offen sein, dass man ohne schlechtes Gewissen oder irgendwelche Ausreden über die Herausforderungen von Pflegesituationen sprechen kann“, laute das Credo bei der BSR.

„Wir haben schnell gelernt, bei dem Thema Vereinbarkeit in beide Richtungen zu schauen: Zum einen auf Familien mit Kindern, zum anderen auf Beschäftigte mit älter werdenden Eltern. Wir sind sehr offen für den Bedarf unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unsere Angebote auch kontinuierlich annehmen. Bei der BSR gibt es z. B. die Möglichkeit, eine Ausbildung in Teilzeit zu machen. Und in unserem Pflegezirkel beschäftigen wir uns auch mit sensiblen Fragen wie Palliativmedizin und Hospizdiensten.“

Vereinbarkeit wird dabei als wichtige Führungsaufgabe eingeschätzt. Ein Meilenstein war für die BSR die Einführung der Gleichstellungskonferenzen, bei denen Fach- und Führungskräfte über Themen wie Chancengleichheit oder die Balance von Arbeits- und Privatleben diskutieren und gemeinsam Lösungsansätze erarbeiten.

Urban legt Wert darauf, dass die Angebote seines Unternehmens auch als Erfüllung eines sozialen Auftrags gesehen werden. „Dass es betriebswirtschaftlich ebenfalls Sinn macht, ist uns natürlich bewusst. Umso besser, wenn sich diese beiden oft als gegensätzlich empfundenen Pole gut vereinen lassen.“

Auf aktuelle Herausforderungen angesprochen, weist Urban darauf hin, dass insbesondere die Beschäftigten im operativen Bereich der BSR noch mehr Unterstützung benötigen. „Das ist manchmal komplizierter als bei unseren Beschäftigten in den Büros. Sobald Schnee fällt, sind unsere Einsatzkräfte auch schon mal um drei Uhr nachts unterwegs. Wenn jemand Angehörige zu pflegen hat, ist das in so einer Situation für die Betroffenen besonders schwierig.“

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EJOT – Preisträger für Unternehmen mit 501 bis zu 2000 Mitarbeitern/-innen

Die mittelständische Unternehmensgruppe EJOT mit Hauptsitz im nordrheinwestfälischen Bad Berleburg ist auf Verbindungstechnik spezialisiert. Ihre Kunden finden sich vor allem in der Automobil- und Zulieferindustrie, der Telekommunikations- und Unterhaltungselektronik sowie dem Baugewerbe. Pflegeleitfäden, Vortragsveranstaltungen und Vermittlungsleistungen tragen bei EJOT zu einer lebensphasenbewussten Personalpolitik bei.

„Am Anfang stand für uns 2011 das audit berufundfamilie. Bei uns im ländlichen Raum steht bei Engpässen in der Kinderbetreuung noch die Familie an vorderster Stelle. Wenn es um die Pflege geht, sieht das ähnlich aus – allerdings ist der Betreuungsbedarf häufig viel größer. Deshalb wird es dann schwieriger, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren“, weiß Andrea Neuland, Leiterin Personalentwicklung.

Ein Faktor für das erweiterte Engagement bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf war für EJOT die Suche nach Fachkräften: „EJOTs zukünftiger Erfolg hängt wesentlich davon ab, wie gut es uns gelingt, qualifizierte und engagierte Mitarbeiter für unser Unternehmen zu gewinnen und an uns zu binden. Unsere Standorte sind nicht gerade zentral gelegen. Da ist es besonders wichtig, Anreize für Bewerber zu schaffen. Sie fragen dann auch tatsächlich aktiv nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, speziell nach unserem Umgang mit der Pflegebedürftigkeit von Angehörigen.“

Bei EJOT weiß man, dass jeder Fall individueller Zuwendung bedarf. Darüber hinaus arbeiten viele Mitarbeiter an Maschinen, die volle Konzentration erfordern. Wenn da jemand mit dem Kopf woanders ist, ist das auch gefährlich. Die Theorie ist das Eine. Wie aber funktioniert das Engagement in der Praxis? Frau Neuland berichtet von einem Mitarbeiter aus dem gewerblich-technischen Bereich, der im Dreischichtsystem tätig war. Er stand als Einzelkind plötzlich vor der Situation, dass sein Vater nach einem Sturz pflegebedürftig geworden war. Nach der zehntägigen Freistellung half EJOT mit Informationsmaterial und Beratungsgesprächen bei der mühsamen Suche nach einem Pflegeplatz. Als dann endlich ein Platz in einem Pflegeheim gefunden wurde, war der Vater dort alles andere als glücklich. Schnell war klar, dass die Rückkehr in die eigenen vier Wände die beste Lösung für ihn wäre. „Wir haben den betroffenen Mitarbeiter dann auf eigenen Wunsch aus dem Dreischichtbetrieb genommen, um ihm die Pflege seines Vaters zu ermöglichen.“ Auch bei EJOT sieht man die Sensibilisierung der Führungskräfte als besonders wichtig an. Ein flächendeckend einheitliches Verständnis zu schaffen sowie für Offenheit und Vertrauen zu sorgen, braucht Zeit. „Wir haben schon viel erreicht, jedoch besteht immer noch Verbesserungsbedarf. Wenn man die drei Ebenen Leistung, Dialog und Unternehmenskultur betrachtet, sehe ich gerade beim letzten Punkt noch Entwicklungspotential. Es ist wichtig, dem Thema Pflege ein Gesicht zu geben, es greifbarer zu machen. Dabei könnte es helfen, wenn Mitarbeiter über ihre persönlichen Erfahrungen in den verschiedenen Pflegephasen berichten, um Kollegen auf ähnliche Situationen vorzubereiten oder in akuten Fällen mit ihren Erfahrungen zu helfen.“

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Amtsgericht Offenbach – Preisträger für Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern/-innen Petra Schott-Pfeifer, Vizepräsidentin des Amtsgerichts Offenbach, hat selbst eine zertifizierte Ausbildung zur Gesundheitsmanagerin absolviert. Sie sieht die ganzheitliche Wahrnehmung der Mitarbeiter als Grundlage für das Thema Vereinbarkeit. „Die Entlohnung ist das eine, da sind uns als öffentlicher Institution Grenzen gesetzt. Wir stellen aber fest, dass für unsere Mitarbeiter zunehmend andere Faktoren wie die Vereinbarkeit von Familie bzw. Pflege und Beruf bedeutsam sind. Hier unterbreiten wir als öffentlicher Arbeitgeber mit Vorbildfunktion eine Vielzahl attraktiver Angebote.“, erklärt Schott-Pfeifer. Ausgezeichnet mit dem Gütesiegel „familienfreundlicher Arbeitgeber Land Hessen“, geht die Behörde offensiv mit ihren Erfolgen auf diesem Gebiet um, auch um Anreize für Mitarbeiter zu schaffen. „Dabei hilft uns natürlich, dass wir naturgemäß echte Kompetenzträger wie Betreuungsrichter und Nachlassexperten vor Ort haben, die wir einbinden können.“ Die Maßnahmen zur Erleichterung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sind vielfältig. Mitarbeiter können jederzeit die ausgebildeten Pflegeguides um Hilfe bitten. „Wir bieten eine Vielzahl individueller Arbeitszeitmodelle an, welche in jedem Einzelfall an die Bedürfnisse der Bediensteten angepasst werden.“ Die Flexibilisierung der Arbeitszeit für Rechtspfleger ermöglicht sogar eine freie Gestaltung ihrer Arbeitszeit ohne Zeiterfassung. Konkret bietet der Arbeitgeber zum Beispiel die Umstellung auf Tele-Arbeit an, um Mitarbeitern die Pflege ihrer Angehörigen zu ermöglichen. Durch seine Erfolge, nicht zuletzt die erstmalige Nominierung für den Otto Heinemann Preis im vergangenen Jahr, ist es dem Amtsgericht Offenbach gelungen, auch andere hessische Behörden und Unternehmen von dem Wert einer pflegesensiblen Personalpolitik zu überzeugen. Die aus der Zusammenarbeit entstehenden Synergieeffekte führen dazu, dass die bestehenden Angebote erweitert werden können. „Wir werden die Kooperation mit anderen Behörden ausbauen, zum Beispiel mit der Polizeibehörde, den Finanzämtern oder anderen Amtsgerichten“, ergänzt Schott-Pfeifer. Natürlich müsse jede Institution und jedes Unternehmen ein individuelles Konzept erarbeiten, das an die speziellen Gegebenheiten und Bedürfnisse angepasst ist. „Aber ich denke, dass es – egal wie groß ein Unternehmen sein mag – relativ einfach umsetzbare Lösungen gibt, die sowohl den Mitarbeitern als auch dem Unternehmen zugute kommen.“ Dafür bietet das Amtsgericht Offenbach interessierten Institutionen Vorträge mit seinen ausgebildeten Pflegeguides an und präsentiert verwendete Materialien. Aber auch innerhalb der Behörde ist man noch lange nicht am Ende des Weges angelangt. Geplant ist zum Beispiel eine offizielle Dienstvereinbarung in Abstimmung mit dem Personalrat. Hier sollen die entsprechenden Angebote schriftlich fixiert werden und so für mehr Transparenz bei den Mitarbeitern sorgen. Wichtig ist für Frau Schott-Pfeifer auch, dass die Führungskräfte das Thema ernst nehmen. „Wenn hier authentisches Interesse für das Thema vermittelt werden kann, wird es uns gemeinsam gelingen, das Thema Pflege noch mehr aus der Tabuzone zu holen und zu verdeutlichen, dass wir als Arbeitgeber ein hilfreicher Ansprechpartner für dieses Thema sind

Alle drei Preisträger sehen sich durch den Otto Heinemann Preis in ihren bisherigen Bemühungen um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf bestätigt. Zugleich verstehen sie die Auszeichnung als Ansporn für die Zukunft. Wir beglückwünschen alle Preisträger und bedanken uns herzlich bei Andrea Neuland, Petra Schott-Pfeifer und Martin Urban für die Interviews.

Impressionen der Preisverleihung

Wer kann mitmachen?

Alle Unternehmen mit Beschäftigten in Deutschland, sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben. Damit Sie alle eine Chance auf einen Wettbewerbssieg haben, tragen wir den unternehmerspezifischen Besonderheiten Rechnung und werden die Preise in drei Kategorien vergeben:

  • Unternehmen bis 500 Mitarbeiter/innen*
  • Unternehmen mit 501–2000 Mitarbeiter/innen und
  • Unternehmen ab 2001 Mitarbeiter/innen
    (*Vollzeitkräfte)