Wer war Marie Simon

Marie SimonMarie Simon wurde am 26. August 1824 in der sorbischen Gemeinde Doberschau in der sächsischen Oberlausitz geboren.

Nach dem frühen Tod ihrer Eltern verbrachte sie ihre Jugendzeit überwiegend in Österreich und bereiste u. a. Italien und Frankreich. Ihr weiterer Lebensweg führte sie um 1852 nach Dresden, wo sie 1853 heiratete. Zusammen mit ihrem Mann führte sie dort ein Wäschegeschäft am Altmarkt.

Ausschlaggebend für ihren weiteren Lebensweg war jedoch die Idee zum Aufbau der Hilfsorganisation Rotes Kreuz in Sachsen, die der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant 1863 dem sächsischen Kronprinzen Albert vortrug. 1867 wurde der Albert-Verein des Roten Kreuzes unter dem Vorsitz der späteren Königin Carola gegründet, in dem Marie Simon aktives Mitglied wurde. Die Frauen, die in diesem Rahmen Kranke und Verwundete pflegten, nannten sich Albertinerinnen.

Ihre pflegerischen Kenntnisse, die Marie Simon schon in ihrer Jugend autodidaktisch sowie durch Hospitationen im Diakonissenkrankenhaus Dresden und in der Universitätsklinik Leipzig erworben hatte, konnte sie 1866 im Deutschen Krieg, u.a. nach der Schlacht bei Königgrätz einsetzen. Nach dem Ende des Kriegs berief sie die Kronprinzessin Carola von Sachsen in das Direktorium des Albert-Vereins. Damit war Marie Simon für die Aufsicht über die Krankenpflegerinnen und die Leitung der Armenkrankenpflege zuständig. In dieser Funktion mahnte sie stets zu mehr Ernsthaftigkeit und Praxisnähe in der pflegerischen Arbeit.

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kam Marie Simon gemeinsam mit zwölf Albertinerinnen zum Einsatz. Sie half den Verwundeten, organisierte den Einsatz von Pflegekräften und überwachte die Verpflegung. Bekannt, ja sogar berühmt war insbesondere ihr „Freßkommando“, d. h. die von ihr mit großem Durchsetzungsvermögen organisierte Beschaffung von Nahrungsmitteln. Marie Simon überzeugte durch Tatkraft und Humanität und wurde in der französchen Presse sogar als „Nightingale allemande“ gerühmt. Dafür wurde ihr 1871 der Sidonienorden verliehen.

Nach Kriegsende nahm sie sich intensiv der Ausbildung von Pflegekräften an. Sie engagierte sich dafür, neben der kirchengebundenen Pflege die so genannte freiwillige sowie auch berufliche Krankenpflege zu fördern. Da in der Bevölkerung die Nachfrage nach Hauskrankenpflegerinnen groß war, baute sie, unterstützt vom Albert-Verein, eine systematische Ausbildung in Dresden auf. Der Einsatz der Lernenden erfolgte in der von Marie Simon mitbegründeten Heilstätte in Loschwitz sowie in der für diese Zwecke in Dresden-Neustadt eingerichteten Poliklinik. In den letzten sechs Monaten der dreijährigen Ausbildung erfolgte der Einsatz in der Universitätsklinik in Leipzig. Der Unterricht wurde von dort tätigen Ärzten erteilt. Marie Simon beaufsichtigte den Einsatz und die Anleitung der Auszubildenden.

Es ist ihr Verdienst, dass Krankenpflege als Beruf anerkannt und der zukünftigen Pflegekraft ein fundiertes Wissen vermittelt wurde. Ihre Tätigkeit wurde durch mehrere Auszeichnungen der Könige von Sachsen und Preußen sowie des österreichischen Kaisers gewürdigt. Ihr zu Ehren bedachte Königin Carola den Albert-Verein in ihrem Testament mit 20.000 Mark zur Unterstützung mittelloser Patienten.

– Simons Grab auf dem Trinitatisfriedhof wurde beim Bombenangriff 1945 zerstört.

Publikationen von Marie Simon:

  • Meine Erfahrungen auf dem Gebiete der Freiwilligen Krankenpflege im Deutsch-Französischen Kriege 1870-1871, Leipzig 1872
  • Die Krankenpflege. Theoretische und praktische Anweisungen, Leipzig 1876.