Marie-Simon-Pflegepreis

Wie kann die Versorgungssicherheit von Pflegebedürftigen im Versorgungsprozess gewährleistet werden? Wie können Helfende bei der Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen unterstützt werden? Welche Informations- und Kommunikationstechnologien können die Gestaltung in der Pflege unterstützen?

Zu all diesen Fragen gibt es bereits viele innovative Antworten und individuelle Lösungen. Die unterschiedlichen Ansätze unterstreichen auch die Notwendigkeit, gute Ansätze in der Pflege zu identifizieren und öffentlich zu machen.

Mit dem Marie-Simon-Pflegepreis für Innovationen in der Pflege werden auf der Berliner Pflegekonferenz in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund besonders innovative Pflegeprojekte ausgezeichnet.

Schirmherr des Marie-Simon-Pflegepreises ist Karl-Josef Laumann, Staatssekretär des Bundesministeriums für Gesundheit und Beauftragter der Bundesregierung für Pflege und Patientenbelange.

„Die Sicherung einer guten, menschenwürdigen und wohnortnahen Pflege ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Wir müssen dafür hier und heute die richtigen Strukturen schaffen. In den vergangenen Jahren ist viel für den Ausbau der U3-Betreuung getan worden. Das war richtig. Genauso richtig ist es jetzt jedoch, nun den Ausbau der Ü80-Angebote voranzutreiben. Dazu gehört insbesondere der flächendeckende Ausbau der Tagespflege.“

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Ihre Ansprechpartnerin:
Juliane Maneke
spectrumK GmbH, Abteilung Unternehmenskommunikation
E-Mail: juliane.maneke@spectrumK.de
Tel.: 030-21 23 36 154

Preisträger 2016

Ein Pflegeprojekt, das Schule machen sollte

Beim Thema Pflege geht es um mehr als den menschenwürdigen Umgang mit Krankheit oder eine gute Pflegeversicherung. Ebenso wichtig ist es, die Isolation älterer Menschen zu verhindern und ihnen die Teilhabe am sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die Hamburger Initiative Wege aus der Einsamkeit e. V., Preisträger des 3. Marie Simon Pflegepreises, zeigt auf herzerfrischende Art und Weise wie das geht.

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Speeddating und Flashmobs für Senioren

Der 2007 gegründete Verein unterstützt bundesweit Konzepte, die sich mit Themen rund ums Altern beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung der Lebensumstände älterer Menschen und ihrer Stellung in der Gesellschaft. Einige Projekte entwickelt der Verein selbst, für andere werden Partner gesucht, mit denen man gemeinsam an der Umsetzung arbeitet. Finanziert werden die Projekte durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und das Engagement ehrenamtlicher Mitarbeiter, Kooperationspartner und Fürsprecher. Mit Aktionen wie Speeddating und Seniorenflashmobs hat der Verein, der sich „WadE“ nennt, auch in der Öffentlichkeit für wohlwollende Aufmerksamkeit gesorgt.

Die Gründer der privaten Initiative haben sich von anfänglichen Misserfolgen nicht entmutigen lassen. „Mit einer Weihnachtsfeier für Ältere haben wir zum Beispiel richtig Schiffbruch erlitten. Alles war organisiert, aber niemand kannte uns. Wir mussten die Veranstaltung letztlich absagen“, berichtet die Vorstandsvorsitzende Dagmar Hirche.

Als Unternehmensberaterin war Hirche auch regelmäßig auf Messen unterwegs, wo sie immer häufiger auf raffinierte Zukunftslösungen im eHealth-Bereich und Smart Home- Entwicklungen stieß: „Das sind alles großartige Ansätze, aber mir wurde plötzlich klar, dass all das ja gar keinen Sinn macht, wenn man den Menschen nicht auch beibringt, wie sie mit den digitalen Geräten umgehen.“ Nur dann würden die technischen Neuerungen älteren Menschen genau das ermöglichen, was sie sich wünschen: ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden.

Die Silversurfer kommen

Der Großteil der Menschen über 65 ist nicht digital vernetzt. Vorhandene Schulungsmöglichkeiten sind oft sehr teuer und gehen zu selten auf die speziellen Bedürfnisse der Seniorinnen und Senioren ein. „Und Angebote für Tablets und Smartphones gab es so gut wie gar nicht“, betont Hirche. Das preisgekrönte Projekt „Digitale Welt nutzen – auch im Alter“ bietet hierzu kostenfreie Gesprächsrunden für Menschen über 65 an.

„Das Angebot richtet sich nicht an Menschen, die schon erste Erfahrungen gemacht haben. Es geht wirklich um die Grundlagen. Deshalb nennen wir es auch bewusst ‚Das 1×1 der Tablets und Smartphones für Menschen 65+‘. In den ersten beiden Stunden beschäftigen wir uns mit der Theorie und klären die Begriffe: Was ist ein Browser, was ein Link oder ein Provider? Wie funktioniert eine Tastatur?“ Zur Erklärung genutzt werden eingängige Vergleiche, die den Senioren das Verständnis der digitalen Welt erleichtern. Dabei können sich unterschiedliche Betriebssysteme schon mal in Benzin- und Dieselmotoren verwandeln.

Wenn die Theorie geklärt ist, geht es an die Geräte: Ein und Ausschalten, die Verbindung zu einem WLAN-Netz herstellen und die Grundeinstellungen anpassen. Dann werden Links aufgerufen. Bei den Webseiten beschränkt man sich auf Anwendungen, die einen direkten Nutzen für die Senioren haben: die Deutsche Bahn, den Hamburger Nahverkehr und Google Maps. „Damit üben wir so lange, bis unsere Teilnehmer das Prinzip verstanden haben. In den folgenden Treffen wird das Erlernte wiederholt und weiter geübt.“

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Mit Freude dabei

In den Gesprächsrunden wird viel gelacht, was kein Zufall ist. „Ganz bewusst haben wir von Anfang an die positiven Aspekte der sozialen Medien in den Mittelpunkt gestellt. Wir wollen Berührungsängste abbauen“, sagt Hirche, der man bei jedem Wort die Begeisterung für das Projekt anmerkt.

Die Gesprächsrunden zum digitalen Einmaleins werden sehr gut angenommen. „Wir hatten von Anfang an einen enormen Zulauf. Da konnte es schon vorkommen, dass nach einem vierzeiligen Mini-Artikel im Hamburger Abendblatt plötzlich 680 Leute bei uns anriefen um sich für unseren Gesprächsrunden anzumelden.“ In knapp anderthalb Jahren haben schon fast 1.000 Menschen zwischen 66 und 94 Jahren erste Schritte in die digitale Welt gewagt, Tendenz steigend.

Die Gründe der Seniorinnen und Senioren für die Teilnahme an den Kursen sind vielfältig. Die meisten aber wollen wissen, wie sie per WhatsApp und Skype mit ihren Familien in Kontakt bleiben können. So kann Oma den Bauch ihrer schwangeren Enkelin vom Seniorenwohnheim aus wachsen sehen.

Interessant ist, dass bisher deutlich mehr Frauen die Angebote nutzen. „Wir kennen ja alle die Situation, in der Frauen nach dem Weg fragen und Männer nicht. So ähnlich ist es bei uns auch. Zu Beginn waren es fünf Prozent Männer, mittlerweile sind es aber immerhin 25.“

Aktuell arbeitet der Verein bei einem neuen Kursangebot mit der Hamburger Sparkasse zusammen. Das Thema: Online-Banking. „Hier haben viele Menschen natürlich große Bedenken. Aber wenn ich den Seniorinnen und Senioren erkläre, dass sie so die volle Kontrolle über ihre Bankgeschäfte behalten, auch wenn sie nicht mehr mobil sind, lassen sie sich schnell überzeugen. Und natürlich sorgen wir auch immer dafür, dass die Sicherheit nicht zu kurz kommt.“

Verbesserungspotential sieht Frau Hirche, die bei Bedarf die Gesprächsrunden auch in den Seniorenheimen abhält, bei der Ausstattung mit WLAN. „WLAN gibt es mittlerweile eigentlich überall – in Schulen, Kindergärten, Kneipen, Zügen. Nur in den Seniorenheimen ist es noch die Ausnahme. Das muss anders werden.“

Eine fachkundige Jury ermittelt die fünf besten Projekte

Mario Czaja

Mario Czaja

Senator für Gesundheit und Soziales in Berlin

Sophie Rosentreter

Sophie Rosentreter

Autorin

Laurenz Meyer

Laurenz Meyer

Unternehmensberater

Michael Löher

Michael Löher

Vorstand, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.

Frank Schumann

Frank Schumann

Leiter der Fachstelle für pflegende Angehörige

Yves Rawiel

Yves Rawiel

Geschäftsführer spectrumK GmbH

Preisträger 2015

Ein Pflegeprojekt, das Schule machen sollte

Gute Pflegeprojekte sind intelligent, pragmatisch und ganz nah am Menschen – wie die Initiative, die in diesem Jahr auf der zweiten Berliner Pflegekonferenz mit dem Marie-Simon-Pflegepreis geehrt wurde. Die Seniorengemeinschaft Kronach Stadt und Land e. V. beweist seit Jahren, welche wichtige Rolle bürgerschaftliches Engagement in der Pflege spielen kann. Aber auch die Bedeutung professioneller Pflegekräfte wurde bei der Preisverleihung gewürdigt.

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Wirklich gute Ideen sind oft einfach. Aber man muss erst einmal drauf kommen. Ein gutes Beispiel: die Seniorengemeinschaft Kronach Stadt und Land e. V., die in diesem Jahr mit dem Marie-Simon-Pflegepreis ausgezeichnet wurde.

Der Verein hat das Ziel, Pflegebedürftigen und älteren Menschen, die ihren Alltag nicht mehr allein bewältigen können, schnell und unkompliziert zu helfen. Die Mitglieder des Vereins unterstützen sich gegenseitig bei einfachen häuslichen und handwerklichen Tätigkeiten, mähen den Rasen, versorgen zum Beispiel bei Krankenhausaufenthalten Blumen und Haustiere, gehen einkaufen oder bieten Fahrdienste an. Der Grundgedanke: Jeder macht, was er kann.

„Es sind die kleinen, aber wichtigen Dinge des Alltags, die für ältere Menschen oft zu großen Problemen werden können“, sagt Bianca Fischer-Kilian, die den Verein 2010 gründete und seitdem die Hilfeleistungen koordiniert. „Für eine 80-jährige Dame ist schon das Auswechseln einer Glühbirne eine kaum zu bewältigende Hürde. Oder der große Einkauf, der in unserer ländlichen Region ohne Auto meist nicht bewältigt werden kann. Oder wer füttert die Katze, wenn ich mal nicht da bin? All diese Dinge werden von den Mitgliedern unseres Vereins übernommen, die noch fit sind und gern helfen wollen. So werden die einen unterstützt, und die anderen haben das Gefühl, gebraucht zu werden und einen Beitrag zu leisten. Das ist für beide Seiten ein gutes Gefühl. Und es trägt dazu bei, dass ältere Menschen länger selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben können und eben nicht so schnell zum akuten Pflegefall werden.“

Der Verein, der mittlerweile 663 Mitglieder im Alter von 14 bis 99 Jahren hat, ist in allen 18 Gemeinden des Landkreises aktiv und war der erste in Bayern, der eine flächendeckende Versorgung anbot. Im Monat werden von den Mitgliedern etwa 500 Arbeitsstunden geleistet. Je geleistete Stunde erhalten sie vom Leistungsempfänger eine Ehrenamtspauschale von acht Euro. Zwei Euro gehen an den Verein, der davon einen Teil der laufenden Kosten bestreitet, der Rest verbleibt beim Leistungserbringer. Dieser hat aber auch die Möglichkeit, die geleisteten Stunden auf einem Unterstützungskonto gutschreiben zu lassen, um später selbst die Hilfe anderer Mitglieder in Anspruch nehmen zu können.

„So können gerade Menschen, die finanziell nicht so gut dastehen, zum Beispiel Hausfrauen oder Frührentner, für die Zeit vorsorgen, wenn sie selbst einmal Hilfe benötigen“, sagt Frau Fischer-Kilian. „Dabei stehen wir nicht in Konkurrenz zu professionellen Pflegediensten, das können wir auch gar nicht leisten. Unsere Mitglieder übernehmen die Aufgaben, die ein Pflegedienst eben nicht machen kann, die aber genauso wichtig sind. Das alltägliche Drumherum. Wichtig ist auch die soziale Komponente. Unsere Mitglieder stehen untereinander in Kontakt, verabreden sich zu Spielenachmittagen, gehen miteinander spazieren, ins Café oder erkundigen sich einfach mal, wie es dem anderen geht. So wirken wir auch der Vereinsamung im Alter entgegen.“ Darüber hinaus organisiert der Verein regelmäßig Ausflüge und Veranstaltungen und sorgt so für ein lebendiges, menschliches Miteinander.

Der Start des Projektes wurde unter anderem durch Fördermittel des Landes Bayern ermöglicht. Die laufenden Kosten werden aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem Vereinsanteil aus der Stundenvergütung bestritten. Am Leben erhalten wird der Verein durch das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder, des Vorstandes und vor allem durch Frau Fischer-Kilian, die viel Zeit und Energie in das Projekt investiert: „Es ist schon eine gewisse Selbstausbeutung, die ich hier betreibe. Aber als pflegende Angehörige habe ich damals selbst gemerkt, wie viel diese Unterstützung bedeuten kann. Ich glaube an unser Projekt und habe die Hoffnung, dass es sich noch weiter herumsprechen wird. Dann könnten vielleicht auch weitere Fördermittel bereitgestellt werden. Ab 1.000 Mitgliedern trägt sich solch ein Projekt selbst, inklusive der Bezahlung des nötigen Personals.“

Doch Frau Fischer-Kilian denkt noch weiter. Ihre Vision ist ein landesweites Netzwerk von Seniorengemeinschaften mit einem übergreifenden System von Unterstützungskonten. Denn gerade in ländlichen Regionen wie dem fränkischen Kronach ziehen die Kinder irgendwann aus beruflichen Gründen in andere Gegenden, können sich also nicht mehr selbst um ihre Eltern kümmern. Ein System, wie es Bianca Fischer-Kilian vorschwebt, würde es ihnen ermöglichen, an ihrem Wohnort Leistungen für Senioren zu erbringen und so ein Unterstützungsguthaben aufzubauen. Diese Stunden könnten dann mit den Hilfeleistungen verrechnet werden, die andere für ihre Eltern und Angehörigen daheim erbringen, oder für das eigene Alter angespart werden.

Für Frau Fischer-Kilian ist der Marie-Simon-Pflegepreis eine willkommene Bestätigung der bisher geleisteten Arbeit: „Zum fünfjährigen Jubiläum einen solchen Preis zu bekommen, ist toll. Es wäre schön, wenn das dazu beiträgt, unser Projekt noch weiter bekannt zu machen. Wir haben schon jetzt immer wieder Anfragen aus anderen Teilen Bayerns und der Bundesrepublik. Neulich war sogar eine Delegation aus Südkorea da.“

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Neben dem bürgerschaftlichen Engagement spielt natürlich die professionelle Pflege eine entscheidende Rolle. Hier braucht es noch viel mehr qualifizierte und motivierte Fachkräfte, um den demografischen Wandel langfristig zu meistern und einem Pflegenotstand entgegenzuwirken. Darauf verweist auch der Sonderpreis, den die Jury des Marie-Simon-Pflegepreises in diesem Jahr an den Verein zur Förderung Pflegerischer Qualität e. V. vergab.

Eine wichtige Initiative des Vereins ist der Bundeswettbewerb „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege“, der seit 2011 stattfindet. In diesem Jahr nahmen 25.000 Pflegeschülerinnen und -schüler teil. „Uns geht es nicht nur darum, den besten Schüler auszuzeichnen, sondern insbesondere sollen damit die Werte und Fachkompetenzen, aber auch die Motivation der jungen Menschen in der Pflege gestärkt werden“, sagt Jens Frieß, Präsident der Initiative. Zudem sei gute Pflege nicht nur die Frage einer qualifizierten Ausbildung, sondern hänge auch maßgeblich davon ab, wie viel Wertschätzung den Menschen in der Pflege entgegengebracht wird. Der Sonderpreis wurde von Melanie Segelke (DRK-Schwesternschaft Hamburg) entgegengenommen, die in diesem Jahr einen der beiden zweiten Plätze beim Bundeswettbewerb belegte.

Der Marie-Simon-Pflegepreis für herausragende Projekte in der Pflege wurde 2015 bereits zum zweiten Mal durch spectrumK und den Deutschen Städte- und Gemeindebund verliehen. Die Übergabe des Preises auf der Berliner Pflegekonferenz erfolgte durch Bundesgesundheitsministerin a. D. Ulla Schmidt. Benannt ist der Preis nach der „deutschen Florence Nightingale“ Marie Simon (1824–1877). Die Krankenpflegerin, die unter anderem im Deutschen und im Deutsch-Französischen Krieg aufopferungsvoll Kranke und Verwundete versorgte, leistete einen wichtigen Beitrag zur Professionalisierung von Pflegeberufen und zum Aufbau des Deutschen Roten Kreuzes im damaligen Königreich Sachsen.

Marie SimonWer war Marie Simon

Marie Simon wurde am 26. August 1824 in der sorbischen Gemeinde Doberschau in der sächsischen Oberlausitz geboren. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern verbrachte sie ihre Jugendzeit überwiegend in Österreich und bereiste u. a. Italien und Frankreich. Ihr weiterer Lebensweg führte sie um 1852 nach Dresden, wo sie 1853 heiratete. Zusammen mit ihrem Mann führte sie dort ein Wäschegeschäft am Altmarkt.

Ausschlaggebend für ihren weiteren Lebensweg war jedoch die Idee zum Aufbau der Hilfsorganisation Rotes Kreuz in Sachsen, die der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant 1863 dem sächsischen Kronprinzen Albert vortrug. 1867 wurde der Albert-Verein des Roten Kreuzes unter dem Vorsitz der späteren Königin Carola gegründet, in dem Marie Simon aktives Mitglied wurde. Die Frauen, die in diesem Rahmen Kranke und Verwundete pflegten, nannten sich Albertinerinnen.

Ihre pflegerischen Kenntnisse, die Marie Simon schon in ihrer Jugend autodidaktisch sowie durch Hospitationen im Diakonissenkrankenhaus Dresden und in der Universitätsklinik Leipzig erworben hatte, konnte sie 1866 im Deutschen Krieg, u.a. nach der Schlacht bei Königgrätz einsetzen. Nach dem Ende des Kriegs berief sie die Kronprinzessin Carola von Sachsen in das Direktorium des Albert-Vereins. Damit war Marie Simon für die Aufsicht über die Krankenpflegerinnen und die Leitung der Armenkrankenpflege zuständig. In dieser Funktion mahnte sie stets zu mehr Ernsthaftigkeit und Praxisnähe in der pflegerischen Arbeit.

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 kam Marie Simon gemeinsam mit zwölf Albertinerinnen zum Einsatz. Sie half den Verwundeten, organisierte den Einsatz von Pflegekräften und überwachte die Verpflegung. Bekannt, ja sogar berühmt war insbesondere ihr „Freßkommando“, d. h. die von ihr mit großem Durchsetzungsvermögen organisierte Beschaffung von Nahrungsmitteln. Marie Simon überzeugte durch Tatkraft und Humanität und wurde in der französchen Presse sogar als „Nightingale allemande“ gerühmt. Dafür wurde ihr 1871 der Sidonienorden verliehen.

Nach Kriegsende nahm sie sich intensiv der Ausbildung von Pflegekräften an. Sie engagierte sich dafür, neben der kirchengebundenen Pflege die so genannte freiwillige sowie auch berufliche Krankenpflege zu fördern. Da in der Bevölkerung die Nachfrage nach Hauskrankenpflegerinnen groß war, baute sie, unterstützt vom Albert-Verein, eine systematische Ausbildung in Dresden auf. Der Einsatz der Lernenden erfolgte in der von Marie Simon mitbegründeten Heilstätte in Loschwitz sowie in der für diese Zwecke in Dresden-Neustadt eingerichteten Poliklinik. In den letzten sechs Monaten der dreijährigen Ausbildung erfolgte der Einsatz in der Universitätsklinik in Leipzig. Der Unterricht wurde von dort tätigen Ärzten erteilt. Marie Simon beaufsichtigte den Einsatz und die Anleitung der Auszubildenden.

Es ist ihr Verdienst, dass Krankenpflege als Beruf anerkannt und der zukünftigen Pflegekraft ein fundiertes Wissen vermittelt wurde. Ihre Tätigkeit wurde durch mehrere Auszeichnungen der Könige von Sachsen und Preußen sowie des österreichischen Kaisers gewürdigt. Ihr zu Ehren bedachte Königin Carola den Albert-Verein in ihrem Testament mit 20.000 Mark zur Unterstützung mittelloser Patienten. – Simons Grab auf dem Trinitatisfriedhof wurde beim Bombenangriff 1945 zerstört.

Publikationen von Marie Simon:
Meine Erfahrungen auf dem Gebiete der Freiwilligen Krankenpflege im Deutsch-Französischen Kriege 1870-1871, Leipzig 1872; Die Krankenpflege. Theoretische und praktische Anweisungen, Leipzig 1876.

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Teilnahmebedingungen

Wozu dieser Preis?

Wie kann die Versorgungssicherheit von Pflegebedürftigen im Versorgungsprozess gewährleistet werden? Wie können Helfende bei der Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen unterstützt werden?

Welche Informations- und Kommunikationstechnologien können die Gestaltung in der Pflege unterstützen? Zu all diesen Fragen gibt es bereits viele innovative Antworten und individuelle Lösungen. Die unterschiedlichen Ansätze unterstreichen auch die Notwendigkeit, gute Ansätze in der Pflege zu identifizieren und öffentlich zu machen. In diesem Jahr sollen daher erneut besonders innovative und praktikable Ansätze mit dem „Marie-Simon-Pflegepreis“ prämiert werden. Beispiele guter Praxis sollen zum Nachahmen anregen und zugleich die Entwicklung weiterer kreativer Ideen oder auch Produkte fördern.

Der Marie-Simon-Pflegepreis wird verliehen im Gedenken an Marie Simon, der „deutschen Florence Nightingale“ und tatkräftigen Pionierin auf dem Gebiet der Pflege in Deutschland.

Wer kann mitmachen?

Alle Verbände, Institutionen, Initiativen, Unternehmen, Einzelpersonen und Fachleute aus dem Pflege- bzw. Gesundheitssektor sowie aus dem Feld E-Health sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben.

Welche inhaltlichen Kriterien werden bewertet?

Die eingereichten Projekte sollen innovativ, qualitativ herausragend, praxistauglich und nachhaltig sein sowie mit angemessenem Verhältnis von Aufwand und Nutzen umgesetzt werden können.

Die Entscheidungen der Jury werden anhand der u. g. Kriterien getroffen und sind endgültig. Sie erfolgen unter Ausschluss des Rechtsweges.

Kriterienkatalog:

  • Innovationsgehalt des Projekts (Neuheit der Idee)
  • Zielgerichtete Vorgehensweise (zutreffende Problemdarstellung, klare Identifikation der Zielgruppe, systematische Vorgehensweise/Methodik, Reflexion des Projektes und der Ergebnisse)
  • Relevanz des Projektes für die Pflege- und Ausbildungspraxis
  • Ideen zur Evaluation und weiteren Umsetzung der Projektergebnisse
  • Nutzung von Literatur und Expertenwissen

Wer schreibt den Preis aus?

spectrumK GmbH in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund. Die Koordination der Ausschreibung des Preises erfolgt über die spectrumK GmbH.

Wer entscheidet über die Preisvergabe?

Eine fachkundige Jury ermittelt die fünf besten Projekte. Die Jury besteht aus folgenden Personen:

  • Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales in Berlin
  • Dr. Gerd Landsberg, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Städte- und Gemeindebund
  • Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR)
  • Evelyn Möhlenkamp, Pflegedirektorin, Charité Universitätsmedizin Berlin
  • Sophie Rosentreter, Autorin
  • Yves Rawiel, Geschäftsführer spectrumK GmbH

Welche Ausschreibungsbedingungen gelten?

Die einzureichenden Bewerbungsunterlagen müssen vollständig sein. Die Bewerbungen sind bis zum 30. Juni 2017 bei der spectrumK GmbH unter dem Stichwort „Marie-Simon-Pflegepreis 2017″ ausschließlich online, d. h. per E-Mail in den nachfolgend genannten Formaten ohne Kopierschutz einzureichen. Fristen sind einzuhalten und Quellen nachweislich zu dokumentieren:

  • Max. 10 DIN-A4-Seiten
  • Schriftgröße 12
  • 1,5-facher Zeilenabstand
  • Je 2,5 cm Rand rechts und links

Bitte beachten: Die Beiträge können für den Wettbewerb nur berücksichtigt werden, wenn sie im Datei-Format *.pdf oder *.doc eingereicht werden!

Wünschenswert ist darüber hinaus illustratives und / oder dokumentiertes Material (Bilder, Filme, Presseartikel, etc.), das per Post eingereicht werden kann. Falls Sie dokumentiertes Material einsenden möchten, fügen Sie bitte eine Kopie der online eingereichten Dokumente bei. Die eingesandten Materialen und Bewerbungsunterlagen können aus Dokumentationsgründen nicht zurückgesandt werden.

Die Trägerinnen und Träger des Pflegepreises versichern, dass Detailangaben über die Einsendungen nicht ohne vorherige Zustimmung der oder des Einsendenden an Dritte weitergegeben oder anderweitig veröffentlicht werden. Die späteren Preisträgerinnen oder Preisträger erklären sich damit einverstanden, dass ihre Namen, Fotos und Kurzangaben zu den eingesandten Arbeiten für Veröffentlichungen verwendet werden.

Wann, wo und wie erfolgt die Preisverleihung?

Die Preisverleihung findet statt im November 2017 im Rahmen der „4. Berliner Pflegekonferenz“. Zur Teilnahme am Wettbewerb gehört auch ausdrücklich die Bereitschaft, dem Publikum die Arbeit im Rahmen der „4. Berliner Pflegekonferenz“ vorzustellen. Die Beteiligten der fünf nominierten Beiträge werden zur Konferenz eingeladen, um ihre Arbeit zu präsentieren.

Die Teilnahme der Nominierten an dieser Veranstaltung ist daher erforderlich. Der Preis wird nicht zuerkannt, wenn die Nominierten bei der Preisübergabe nicht persönlich anwesend sind. (Die Kosten der Nominierten für Anreise, Übernachtung und Teilnahme an dieser Veranstaltung werden nach dem geltenden Bundesreisekostengesetz erstattet)

Es wird nur ein Preis zuerkannt, der mit insgesamt 2.500,- Euro dotiert ist.

Mitglieder der Jury wirken bei der Beurteilung der eingereichten Projekte und Initiativen nicht mit, wenn diese für das Mitglied erkennbar aus dem eigenen Arbeitsbereich stammen. Mitarbeiter der spectrumK GmbH oder des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und deren Angehörige können leider nicht am Wettbewerb teilnehmen. Ein Rechtsanspruch auf einen Preis kann nicht abgeleitet werden.